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Forstökonomie - Forschungsansatz und Methoden

Forstbetriebswirtschaftlicher Forschungsansatz

Um die forstbetriebswirtschaftlichen Ziele des Teilprojektes zu erreichen, wurde ein forstbetriebliches Simulationsmodell (FOBESIMO) entwickelt. Dieses ermöglicht die Analyse forstbetrieblicher Bewirtschaftungsentscheidungen unter dem Einfluss von Klimawandel. Anhand von entwickelten Modellbetrieben werden veränderte Produktionsbedingungen und resultierende forstliche Anpassungsmaßnahmen unter verschiedenen Strategiezielen simuliert und analysiert. Dieses Modell wurde anhand von sechs Arbeitsschritten erstellt:

Untersuchungsregion auswählen

Auswahlkriterium war es, eine bundesweite Auswertbarkeit und Interpretierbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen. Nach eingehender Prüfung und Aufbereitung der vorliegenden, bundesweit durchgeführten Datenerhebungen des Testbetriebsnetzes-Forst (TBN-Forst) und der Bundeswaldinventur II (BWI II) wurde das gesamte Bundesgebiet als Untersuchungsregion ausgewählt.

Modellbetriebe entwickeln

Aufgrund unterschiedlicher Ländergesetzgebung und der Tatsache, dass sich der deutsche Wald in drei große Eigentümergruppen (staatlich, privat, kommunal) mit verschiedenen betrieblichen Zielen aufteilt, wurde eine diesen Gegebenheiten angepasste räumliche und sachliche Differenzierung gewählt.

Pro Bundesland (insgesamt 13 Flächenbundesländer) können je drei eigentumsspezifische Modellbetriebe unterschieden werden. Ein Modellbetrieb setzt sich dabei aus vier Bausteinen zusammen:

  • Marktdaten: Ökonomische Betriebskennzahlen und Marktparameter abgeleitet aus den Daten des TBN-Forst
  • Betriebsdaten: Eigentumsspezifisches Nutzungsstrategien resultieren aus dem Projekt "Untersuchung des forstlichen Nutzungsverhalten"
  • Bestandesdaten: Die Baumarten- und Altersklassenausstattung sowie weitere ertragskundliche Kennwerte basieren auf den Daten BWI II
  • Standortsdaten: Klimasensitive Standortvariablen ermittelt in Kooperation mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA)

Maßnahmen zur Steuerung der Bewirtschaftung definieren

Um unterschiedliche Strategien mit einer spezifischen Bewirtschaftung modellieren zu können, müssen Maßnahmen definiert werden. Mit diesen Maßnahmen wird die auf das Strategieziel ausgelegte Bewirtschaftung gesteuert. Hierfür wurden 13 Einzelmaßnahmen definiert, die je nach Strategieziel zu Maßnahmenbündeln zusammengefasst werden und somit die Umsetzung der Strategie im Modellbetrieb ermöglichen.

Definiert wurden folgende Maßnahmen:

  • Baumartenwahl,       
  • Erstaufforstung,       
  • Wiederaufforstung,       
  • Durchforstungsbeginn,       
  • Durchforstungshäufigkeit,       
  • Durchforstungsstärke,       
  • Durchforstungsart,       
  • Zielstärke,       
  • Anzahl Z-Bäume,       
  • Endnutzungsmengen,       
  • Endnutzungszeitraum,       
  • Holzbereitstellung und       
  • Nutzungsverzicht.

Status Quo Bewirtschaftung festlegen

Die Grundlage der Status Quo Bewirtschaftung bildet das WEHAM-Basisszenario (WEHAM = "WaldEntwicklungs- und HolzAufkommensModellierung"), welches am Thünen Institut für Waldökosysteme erstellt wurde. Es wurde  für FOBESIMO angepasst und mit aktuellen Waldbaurichtlinien aktualisiert. Die im 3. Schritt definierten Maßnahmen sind die Steuerparameter. Sie ermöglichen eigentumsspezifisch, regional und baumartenweise unterschiedliche Bewirtschaftungskonzepte zu modellieren. Dadurch kann jeder der gebildeten Modellbetriebe individuell angesteuert und bewirtschaftet werden.

Maßnahmenausprägung in den Strategien festlegen

Je Strategie wurden variierende Maßnahmenbündel definiert. Dadurch ist neben der Status-Quo-Bewirtschaftung auch die Umsetzung  variierender Bewirtschaftungskonzepte in den verschiedenen Strategien (Klimaschutz-, Biomasse- sowie Natur- und Umweltschutzstrategie) möglich. Jedes Maßnahmenbündel bildet eine eigene Bewirtschaftung in einer der genannten Strategie ab. Für die Festlegung der Maßnahmenausprägung wurden Akteure und Experten befragt sowie Fachliteratur herangezogen.

Simulatoren SILVA 2.3 (Wald) und Strugholtz-Englert (Betrieb) zusammenführen und weiterentwickeln

Der Betriebssimulator Strugholtz-Englert sowie der Waldwachstumssimulator Silva 2.3 wurden weiterentwickelt und an die Modellanforderungen angepasst. Dazu wurden die im Betriebssimulator Strugholtz-Englert verwendeten, herkömmlichen Ertragstafeln herausgelöst und modulartig durch den Waldwachstumssimulator Silva 2.3 ersetzt. Dieser Variablensatz umfasst Daten zu den drei ökologischen Faktoren Nährstoff, Wärme und Feuchtigkeit und erlaubt verschiedene Bewirtschaftungsstrategien unter dem Einfluss von Klimaänderungen zu simulieren. Diese Modifikation ermöglicht es, den Einfluss klimabedingt veränderter standörtlicher und wirtschaftlicher Produktionsbedingungen auf die Modellbetriebe zu untersuchen.

Umweltökonomischer Forschungsansatz

Im umweltökonomischen Bereich stehen verschiedene empirische Bewertungsmethoden zur Verfügung, die es ermöglichen Veränderungen in der Bereitstellung von Ökosystemleistungen des Waldes zu untersuchen. Für öffentliche Güter gibt es keine Märkte,  deshalb ist ihr Wert nicht durch Preise benennbar. Dies betrifft beispielsweise Auswirkungen der Naturschutz- und Landschaftspflegeleistungen des Waldes auf das Landschaftsbild. Sie werden, nach bisher vorliegenden Erkenntnissen, besonders stark von unterschiedlichen forstlichen Nutzungsstrategien betroffen sein und stehen damit im Zentrum politischer Konflikte um die Waldbewirtschaftung.

Für die ökonomische Bewertung von öffentlichen Gütern werden Zahlungsbereitschaften der Bevölkerung über Präferenzoffenbarungsmethoden (choice experiment) erhoben. Der Fragebogen mit einem choice experiment wird entwickelt und in einer bundesweiten Bevölkerungsbefragung eingesetzt. Die umweltökonomischen Landschaftsmerkmale werden mit den im forstbetriebswirtschaftlichen Bereich erarbeiteten Maßnahmen abgestimmt. Sie geben sowohl die Maßnahmen als auch deren Auswirkungen auf die Naturschutz- und Landschaftspflegeleistungen wieder.

Im Frühjahr 2013 wurden 8800 Personen der deutschen Bevölkerung durch ein Umfrageinstitut online nach ihren landschaftsbezogenen Präferenzen befragt. Die Befragung ist hinsichtlich Alter, Geschlecht und Bundesland repräsentativ für den Teil der deutschen Bevölkerung, der mindestens einmal im Monat privat das Internet nutzt. Dabei wurde der entwickelte Fragebogen zur ökonomischen Bewertung der Naturschutz- und Landschaftspflegeleistung des Waldes eingesetzt.

Zur Bewertung der Naturschutzleistung des Waldes werden als Indikator die Merkmale:

  • Artenvielfalt im Wald und  
  • Anteil ungenutzter Waldflächen herangezogen.

Zur Bewertung der Landschaftspflegeleistung des Waldes werden die folgenden Merkmale verwendet:

  • Anteil Wald an der Landschaft,   
  • Größe einzelner Felder und Waldstücke,   
  • Waldflächen mit Unterwuchs und  
  • Alter der Wälder

Die vorhandene Baumartenausstattung wird über die Merkmale   

  • Anteil von Bäumen aus anderen Ländern und
  • Laubbaum-/Nadelbaumanteil erfasst.

Die Merkmale sind teilweise für beide Leistungen relevant, haben aber insgesamt große Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

Auf einer Choice Karte eines Auswahlexperiments (choice experiment) werden mehrere dieser Waldmerkmale mit verschiedenen Ausprägungen (Level) spaltenweise zu "Landschaften" kombiniert und den Befragten zur Auswahl gestellt. Auf den verschiedenen Karten werden die Landschaftsmerkmale beibehalten, die Level werden aber verändert, so dass sich nacheinander unterschiedliche Auswahlentscheidungen ergeben (siehe Abbildung im Kapitel "Ergebnisse"). Durch Abwägung zwischen den verschiedenen Merkmalskombinationen / "Landschaften" sollen die Befragten aus den vorgestellten Möglichkeiten auf jeder Choice Karte eine wählen.

Die so erhobenen Werte von Umweltleistungen des Waldes sind nützliche Informationen bei der Abwägung zwischen verschiedenen Strategien für Klimawandeladaptation und -mitigation in Wald und Holz.

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